16. Oktober 2004 CLEEBERG (kw). Als letzten Chorwettbewerb für dieses Jahr hatte Matthias Schmidt die Sänger aus Cleeberg der Konkurrenz in Kleingladenbach im Landkreis Marburg-Biedenkopf zu stellen. Die besondere Brisanz bei diesem Wettstreit lag in der Tatsache begründet, dass sich unter anderem "Teutonia Bernbach" unter der Leitung von Willy Trageser ebenfalls in der höchsten Männerchorklasse gemeldet hatte. Gegen diesen Chor hatten die Cleeberger in Jahre 2000, bei der Chorolympiade in Linz, noch eine Niederlage hinnehmen müssen, also war da noch eine Rechnung offen. Unter solchen Vorzeichen musste Matthias Schmidt auch nicht großartig in seine Motivationskiste greifen, denn jeder der 60 Sänger brannte auf Wiedergutmachung.
Dass dieser Abend etwas ganz Besonderes werden könnte, spürte man schon beim Einsingen. Geschlagene 45 Minuten verwendete der Chorleiter auf die mentale und stimmliche Vorbereitung und nutzte dabei zum ersten Mal ganz außergewöhnliche logopädische Methoden wie "Lippenflattern" und "Kehlkopflockerung". Kurz vor ihrem Auftritt mussten die Cleeberger erfahren, dass Teutonia Bernbach nicht antreten konnte, da ihr Chorleiter Willy Trageser überraschend erkrankt war. Das gab natürlich lange Gesichter bei den Cleebergern, doch Matthias Schmidt ließ keine Zweifel offen: "Wir haben so viel Arbeit in den letzten Wochen in diesen Wettbewerb investiert, jetzt geht ihr auf die Bühne und zeigt was ihr drauf habt. Schließlich sitzt dort eine volle Halle an Zuhörern, die schon viel über uns gehört haben. Und denen sind wir auch was schuldig."
Als letzter Chor, da man wie gewohnt in der Klasse M1 antrat, begannen die Sänger aus Cleeberg ihr Wettbewerbsprogramm mit "Saltarelle" von Camille Saint-Saëns. Es folgte "The Drummer and the Cook" von Robert Shaw, bevor zum vermeintlichen Abschluss "Only You" von den Flying Pickets dargeboten wurde. Die Zuhörer waren von den Cleebergern derart begeistert, dass erst nach minutenlangen, stehenden Ovationen und Zugaberufen Matthias Schmidt sich das Einverständnis der Jury holen konnte, um die geforderte Zugabe zu Gehör zu bringen. Als die Sänger um ihren ersten Vorsitzenden Hartmut Schmidt letztlich doch die Bühne verlassen durften, schöpfte man die Hoffnung, auch an diesem Abend bei der Vergabe des Tageshöchstpreises ein Wörtchen mitreden zu können.
Doch es kam noch besser. Bis die Wertung für Cleeberg bekannt gegeben wurde, lag der MGV Cäcilia Langenei mit ihrem Dirigenten Michael Rinscheid an der Spitze, mit 406 von 420 möglichen Punkten. Als dann die Wertung für Cleeberg angekündigt wurde, kehrte Stille in den Saal. Der Sprecher machte es kurz und schmerzlos, drei Mal 140 Punkte und damit höchstmögliche Wertung und damit zum sechsten Mal in Folge Tageshöchstpreis. Das verschlug selbst den Cleebergern die Sprache, allen voran Matthias Schmidt. Ob es das überhaupt jemals schon gab, dass ein Chor in allen drei Chorwerken die Höchstpunktzahl erreichte, ist bis dato nicht bekannt. Keiner der Anwesenden konnte sich erinnern, so etwas schon erlebt zu haben, und es waren Sänger und Dirigenten anwesend, die seit über 30 Jahren auf Wettbewerben zugegen sind. Noch am nächsten Tag war der Auftritt der Cleeberg noch Hauptthema in Breidenbach. Wer die Cleeberger noch nicht erleben durfte, dem sei der 30. Oktober empfohlen. An diesem Abend treten die Sänger bei einem Konzertabend im Bürgerhaus Butzbach auf. Unter www.mgv-cleeberg.de erhält man weitere Informationen.