29.10.-01.11.2005 CLEEBERG (kw). Zum Abschluss ihrer Konzertsaison hatten die Cleeberger Sänger noch eine ganz besondere Herausforderung zu meistern. Chorleiter Matthias Schmidt war der Meinung, die Zeit sei reif, sich einem internationalen Vergleich auf höchstem musikalischen Niveau zu stellen. Und wo könnte man das wohl besser als beim internationalen Chorwettbewerb "Praga Cantat" in Prag? Na ja, ein bisschen bange war den Sängern schon, schließlich treten bei diesem Wettbewerb internationale Spitzenchöre an, um ihr Können unter Beweis zu stellen. Schon das Pflichtstück hatte es in sich: "Veno" von dem tschechischen Komponisten Bedrich Smetana musste in Originalsprache, sprich Tschechisch, vorgetragen werden. Das brachte so manchen Sänger während der Proben an den Rand der Verzweiflung ... "tschist" ... "kdoji", wie soll man das bitte schön singen, ohne körperliche Schäden davon zu tragen?

Am vergangen Samstag standen pünktlich um 6:00 Uhr zwei große Reisebusse am Cleeberger Bürgerhaus, mit denen sich die Sänger und ihre Fans auf die Reise nach Prag machten. Nach dem man am späten Nachmittag in Prag ankam, berief Chorleiter Matthias Schmidt auch umgehend eine erste Chorprobe im Konferenzsaal des Hotels ein. Nach 90 Minuten hatte er aber dann doch ein Einsehen mit den Sängern und entließ sie zum Abendessen, mit anschließendem gemütlichen Beisammensein. Nicht aber ohne den mahnenden Hinweis, man möge früh zu Bett gehen, da man am nächsten Tag alle Kraft brauchen werden, um hier zu bestehen.

Am Sonntag Vormittag nahm man dann an der feierlichen Eröffnung in der Prager Staatsoper teil. Die Zeit bis zu ihrem Wettbewerbsauftritt nutzten die Sänger für mentale Konzentration und leichtes Warmsingen. Hier bewies Matthias Schmidt einmal mehr sein psychologisches Feingefühl, und die anfängliche Nervosität legte sich zusehends. Um 16:00 Uhr war es dann endlich soweit, mit 65 Sängern betrat der MGV Liederkranz Cleeberg die Bühne des imposanten Majakowski-Saal im "Nationalen Haus" von Prag. Mit "Saltarelle" von Camille Saint-Saëns eröffneten die Cleeberger Sänger ihr Programm, es folgten "Mundi renovatio" von György Orbán, "The Drummer and the Cook" von Robert Shaw, bevor das so gefürchtete "Veno" von Bedrich Smetana aufgeführt wurde, den Abschluss bildete "Only You" von den Flying Pickets. Matthias Schmidt äußerte sich hoch zufrieden über die Leistung des Chores, und man durfte gespannt sein, was die hochkarätig besetzte Jury zu dieser Vorstellung sagen werde. Da die Ergebnisbekanntgabe erst für den nächsten Tag angesetzt war, hatten die Sänger um Hartmut Schmidt den restlichen Abend zur freien Verfügung. Viele nutzten das Angebot, an einer ersten Stadtführung teilzunehmen, andere erkundeten Prag auf eigene Faust.

Für Montag hatte Vorsitzender Hartmut Schmidt eine halbtägige Stadtbesichtigung organisiert, während der es auf einmal hektisch wurde. Die Handys von Vorstand und Chorleiter klingelten heiß, hier und da Getuschel und Geraune!? Das blieb natürlich auch den Sängern nicht verborgen, und so gab Hartmut Schmidt bekannt, man sei vom Veranstalter gebeten worden, bei der Preisverleihung bitte in Bühnenkleidung zu erscheinen. Was dies genau zu bedeuten habe, könne nur orakelt werden, aber ganz bestimmt nichts Schlechtes. Damit war es natürlich bei den Sängern vorbei mit ruhigem Schaufensterbummel und historischen Gebäuden. Alle fieberten nun dem Abend der Entscheidung entgegen und wären am liebsten auf der Stelle ins Nationale Haus gefahren. Aber so geduldig und beharrlich wie man sich wochenlang auf diesen Wettbewerb vorbereitet hatte, genau so ungeduldig musste man nun bis zum späten Abend warten.

Am Nachmittag wurde Hartmut Schmidt und Matthias Schmidt noch eine ganz besondere Ehre zu teil, ein Vertreter der Stadt Prag bestellte den Vorsitzenden nebst Chorleiter zu einem Empfang in das "Altstädter Rathaus" ein. Aber auch hier erfuhr man, was die Resultate anging, nichts Neues. Um 19:00 Uhr war dann der heiß ersehnte Moment gekommen, die Cleeberger Sänger betraten den Saal des "Nationalen Haus", in dem die Ergebnisbekanntgabe stattfand.

Doch auch jetzt musste man noch eine ganze Weile warten, bis man an der Reihe war, aber das Warten sollte sich lohnen und wie! Die Moderatorin gab bekannt: Gold-Diplom für den MGV Cleeberg und Kategoriesieg. Riesiger Jubel brach da bei den Sängern aus, und Vorsitzender und Chorleiter lagen sich auf der Bühne in den Armen. Damit hatte nun wirklich keiner der Cleeberger gerechnet, bestehen wollte man bei diesem Wettbewerb gegen die internationale Konkurrenz, nicht mehr und nicht weniger. Aber es sollte noch besser kommen, die Jury zeichnete die Sänger mit dem Wettbewerbs-Sonderpreis "Beste Interpretation eines tschechischen Chorwerks" aus. Jetzt war es um die Cleeberger vollends geschehen, mit offenen Mündern und staunenden Gesichtern standen sie da und wussten gar nicht, wie ihnen geschieht, und auch die eine oder andere Träne konnte da nicht mehr unterdrückt werden. Da fährt man in die Tschechische Republik und tritt gegen internationale Größen der Chorszene an, von denen auch viele aus der Tschechei selbst kommen und wird für die beste Darbietung des Pflichtstückes in tschechisch ausgezeichnet. Nun war auch endlich klar, warum man im Bühnenanzug erscheinen sollte, und so formierten sich die Cleeberger zum Abschluss um ihren Chorleiter, um noch einmal "Veno" vorzutragen. Da verwundert es auch nicht, dass die anschließende Siegesfeier bis in die frühen Morgenstunden andauerte, bevor man am Morgen die Heimreise antrat.

Dia-Show B
von Tobias Krämer

Dia-Show C
von Melanie Schmidt

Dia-Show D
von Jörg Reif

 

 

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